Das Arbeitszeugnis...

... die drei wichtigsten Fragen für den Arbeitgeber

Potenzielle neue Arbeitgeber bewerten Bewerber in der Regel anhand eines Zeugnisses. Das Arbeitszeugnis ist daher oft entscheidend für die weitere Karriere bei anderen Arbeitgebern. Dies führt oft zu Streitigkeiten und nervenaufreibenden Gerichtsverfahren.

Wann muss ein Arbeitszeugnis erteilt werden?

Das Arbeitszeugnis ist entweder als Zwischenzeugnis nach Ablauf einer angemessenen Frist oder als abschließendes Arbeitszeugnis am letzten Arbeitstag zu erteilen. Ein sogenanntes Zwischenzeugnis ist jedoch nur bei Vorliegen besonderer Gründe auf Verlangen des Arbeitnehmers geschuldet. Als besonderer Grund gilt beispielsweise der Wechsel in eine andere Abteilung, ins Ausland, der Arbeitsaufgaben oder des direkten Vorgesetzten. Ein besonderer Grund liegt ebenfalls vor, wenn ein Arbeitsverhältnis über viele Jahre bestand, ohne dass der Arbeitnehmer beurteilt wurde. Auch eine Beförderung mit neuen Aufgabenfeldern, eine bevorstehende Elternzeit oder eine unbezahlte längere Auszeit, wie zum Beispiel ein Sabbatjahr, kann ein besonderer Grund für ein Zwischenzeugnis darstellen.

Welchen Inhalt muss das Arbeitszeugnis haben?

Das Arbeitszeugnis muss „wahr“ sein und stets „wohlwollend“ gegenüber dem Arbeitnehmer gefasst sein, es darf also keine offene Kritik enthalten. Allerdings hat sich mit der Zeit eine spezielle Zeugnissprache entwickelt, deren wohlklingende Passagen über den Arbeitnehmer in Wirklichkeit wenig Schmeichelhaftes aussagen. So kann die schlechteste Beurteilung beispielweise vermeintlich recht freundlich lauten: „zeigt nach Anleitung Fleiß und Ehrgeiz“, „alle Aufgaben allgemein mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt“, „im Rahmen seiner Fähigkeiten“, „den Belastungen gewachsen“, „Verhalten ohne Tadel“. Auch durch die Verwendung des Wortes „bemühen“ wird klargestellt, dass diesen Bemühungen kein Erfolg beschieden war.

Für den Inhalt des Arbeitszeugnisses ist es entscheidend, ob der Arbeitnehmer ein qualifiziertes Arbeitszeugnis verlangt hat oder nicht. Denn der Arbeitnehmer darf statt eines „einfachen“ Arbeitszeugnisses auch ein sogenanntes qualifiziertes Arbeitszeugnis fordern. Das einfache Arbeitszeugnis enthält nur die sogenannten Grunddaten, also neben den Personalien die Position im Unternehmen und die Beschäftigungsdauer. Der Arbeitgeber muss bzw. darf das Arbeitsverhältnis bei einem einfachen Arbeitszeugnis nicht bewerten.

Das qualifizierte Arbeitszeugnis enthält über diese Angaben hinaus weitere Informationen über die erlernten Fähigkeiten im Unternehmen, die Qualität seiner Arbeitsleistung sowie das Verhältnis des Arbeitnehmers zum Unternehmen, zu Vorgesetzten und zu weiteren Mitarbeitern. Deshalb ist das qualifizierte Arbeitszeugnis bei Bewerbungen eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Arbeitnehmer haben daher ein besonderes Interesse an einer guten Bewertung.

Haftet der Arbeitgeber für ein falsches Zeugnis?

Allerdings sollten Arbeitgeber, nur um einen Streit zu vermeiden, kein wahrheitswidrig positives Arbeitszeugnis ausstellen. Bescheinigt der Arbeitgeber dem ausscheidenden Arbeitnehmer Zuverlässigkeit, obwohl dies nicht stimmt, kann er gegenüber dem neuen Arbeitgeber haften.

Ein Beispielsfall: Der Arbeitnehmer hat „in die Kasse gegriffen“ oder sonstige Vermögensgegenstände aus dem Unternehmen unterschlagen. Das Arbeitszeugnis besteht aber nur aus Lob über die Zuverlässigkeit des Arbeitnehmers, ohne auf diese Vorfälle hinzuweisen. Der neue Arbeitgeber vertraut nun den Angaben des Arbeitszeugnisses und stellt den Arbeitnehmer ein. Begeht der Arbeitnehmer gegenüber dem neuen Arbeitgeber wiederum Straftaten wie Unterschlagungen, dann kann der neue Arbeitgeber vom alten Arbeitgeber Ersatz des erlittenen Schadens verlangen. Das Arbeitszeugnis birgt damit erhebliche Risiken. Daher empfiehlt es sich, bereits bei der Erstellung des Arbeitszeugnisses fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

 

Veröffentlicht am: 06.03.2018