Enterbt?!

Pflichtteilsansprüche richtig berechnen und durchsetzen!

Wurden Sie enterbt? Das kann auch der Fall sein, wenn es nicht ausdrücklich im Testament steht. Sie müssen dennoch nicht leer ausgehen, wenn Ihnen ein Pflichtteil zusteht.

Wann steht Ihnen ein Pflichtteil zu?

Grundsätzlich steht der Pflichtteil Abkömmlingen, Kindern und deren Kindern zu. Hat der Erblasser keine Abkömmlinge, dann kann auch dessen Eltern ein Pflichtteil zustehen. Der Ehepartner, der eingetragene Lebenspartner, kann einen Pflichtteil geltend machen. Geschwister haben kein Pflichtteilsrecht.

Wie machen Sie dieses geltend?

Sie müssen dies schriftlich von den Erben fordern und auch nur in GeldHierzu sind diese auch verpflichtet, Auskunft über den Wert des Nachlasses zu geben. Bitte bedenken Sie, dass der Anspruch, den Pflichtteil zu fordern, nach drei Jahren ab Kenntnis von der Enterbung verjährt.

Wie berechnen Sie den Pflichtteil?

Hierfür müssen Sie den Nachlasswert kennen. Darauf haben Sie auch einen Anspruch, diesen zu erfahren.

Des Weiteren ist für die Pflichtteilsquote wichtig, dass Sie die Höhe Ihres gesetzlichen Erbteils kennen. Der Pflichtteil beträgt davon die Hälfte.

Für die Höhe der Pflichtteilsquote ist essenziell, in welcher Beziehung Sie zum Erblasser standen. Waren Sie mit ihm verheiratet, falls ja, in welchem Güterstand? Wie viele Kinder hat der Erblasser hinterlassen?

Beispiel: Ein Ehepaar mit zwei eigenen Kindern. Zugewinngemeinschaft lag zwischen den beiden als Güterstand vor. Der Ehemann und Vater stirbt.

Die gesetzliche Erbquote der Witwe beträgt ½, die gesetzliche Erbquote je Kind ¼, sofern jemand vom Verstorbenen enterbt wurde, ergibt sich für die enterbte Person die Hälfte davon. Sollte z. B. die Frau alles erben, können die Kinder je ¼: 2 = 1/8 als Pflichtteil vom Erbe fordern.

Um die Höhe beziffern zu können, wird der Wert des Nettonachlasses mit der Pflichtteilsquote multipliziert.

Für diese konkrete Berechnung des Pflichtteils ist anwaltliche Beratung einzuholen und zu empfehlen.

Wie wirkt sich eine Schenkung noch zu Lebzeiten aus?

Verschenkt der Erblasser kurz vor seinem Ableben noch einiges, um sein Vermögen und das Erbe zu schmälern, geht seine Rechnung nicht auf. Das verhindert der Pflichtteilergänzungsanspruch.

Denn bis zu zehn Jahren vor dem Erbfall werden die Schenkungen jährlich mit zehn Prozent berücksichtigt. Nur die im letzten Jahr vor dem Erbfall getätigten Schenkungen werden ganz angerechnet. Bei Eheleuten gilt dies erst ab dem Fall der Scheidung.

Wie verhält es sich beim Ehegattentestament?

Beim sog. Berliner Testament setzen sich die Ehegatten gegenseitig als Erben ein. Ihr Elternteil und/oder Kinder sind damit automatisch enterbt. Sie können den Pflichtteil verlangen.

Wann bekommt man nichts?

Nicht einmal den Pflichtteil erhalten Sie, wenn Sie als erbunwürdig gelten. Das ist wahrscheinlich, wenn Sie den Erblasser töten wollten oder sich sonst ihm gegenüber einem schweren vorsätzlichen Vergehen strafbar gemacht haben.


Rechtstipp vom 22.02.2018 

Veröffentlicht am: 23.03.2018