Unterhaltsberechnung

Welches Einkommen wird berücksichtigt?

Von der richtigen Ermittlung des unterhaltsrelevanten Einkommens hängt viel ab, bestimmt sich danach doch maßgeblich die Unterhaltshöhe. Doch was zählt überhaupt unterhaltsrechtlich zum Einkommen und was nicht? Ein Überblick.

Alle Einkünfte zu ermitteln

Für Unterhaltsforderungen kommt es auf das sogenannte bereinigte Nettoeinkommen an. Ausgangspunkt dafür ist nicht das zuletzt erzielte, sondern das durchschnittliche Einkommen vor der Unterhaltsbemessung. Dazu wird bei abhängig Beschäftigten ein Jahr betrachtet. Da Selbstständige regelmäßig ein ungleichmäßigeres Einkommen erzielen, sind es bei ihnen drei Jahre. Mitunter kann es aber auch ein längerer Zeitraum sein. Wichtig ist in jedem Fall die Erfassung aller für die Unterhaltsberechnung relevanten Einkünfte.

Unterhaltsrelevantes Einkommen

Maßgeblich für die Unterhaltsberechnung ist bei Arbeitnehmern das monatlich erzielte Nettoeinkommen, aber nicht nur. Mit berücksichtigt werden zudem erhaltene Boni, Provisionen und Zulagen, ebenso wie Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld. Auch die Vorteile eines privat nutzbaren Dienstwagens werden als Einkommen gewertet.

Eine Abfindung erhöht das Einkommen bei unverändert weiter gezahltem Lohn. Fällt das Einkommen – etwa durch eine schlechter bezahlte Stelle – geringer aus, kompensiert die Abfindung das entsprechend.

Bei Arbeitslosen tritt an die Stelle des Lohns das ersatzweise gezahlte Arbeitslosengeld I. Arbeitslosengeld II ist dagegen kein unterhaltsrelevantes Einkommen.

Sonstige Einkünfte, wie aus einer Rente oder einer Pension, fließen ebenfalls mit ein in die Einkommensermittlung. Ebenso sind von anderer Seite erhaltene Unterhaltsleistungen ihrerseits einkommensrelevant.

Bei Selbstständigen ist in erster Linie der Gewinn unterhaltsrelevant. Sie können wie andere Personen auch zusätzliche Einkünfte haben. Das unterhaltsrelevante Einkommen erhöhen insofern Steuerrückerstattungen.

Zum Einkommen zählen zudem Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Wer hingegen in einer bislang gemeinsam bewohnten, eigenen Immobilie alleine weiter wohnt, erlangt dadurch regelmäßig einen zu seinem Einkommen hinzuzurechnenden Wohnvorteil. Maßstab ist die ortsüblich gezahlte Miete.

Nicht zuletzt erhöhen Einkünfte aus Kapitalvermögen wie etwa Zinsen und Dividenden das Einkommen.

Einkommensbereinigende Ausgaben

Andererseits reduzieren unter anderem folgende Ausgaben das unterhaltsrelevante Einkommen und bereinigen es insofern.

Zur Einkommenserzielung sind Ausgaben erforderlich. Beschäftigten gewähren einige Gerichte für arbeitsbedingte Ausgaben einen pauschalen Abzug in Höhe von bis zu 4 Prozent des Nettoeinkommens, z. B. für eigens beschaffte Arbeitsmittel und Arbeitskleidung. Bei Elternunterhalt ist es 1 Prozent mehr. Statt der Pauschale kann und wird jedoch oft ein genauer Nachweis verlangt. Für Fahrtkosten zur Arbeit werden in der Regel 0,30 Euro pro Kilometer angesetzt. Grundsätzlich abziehbar sind auch mit Blick auf den Arbeitsweg Anschaffungskosten für ein angemessenes Fahrzeug. Kosten für eine Kinderbetreuung, damit man überhaupt bzw. mehr arbeiten kann, können ebenfalls abzugsfähig sein. Mit Blick auf mögliche Einkommensvorteile können auch private Fortbildungskosten zu berücksichtigen sein. Nicht zuletzt senken auch Beiträge zu einer Berufsvereinigung das unterhaltsrelevante Einkommen.

Ausgaben für die Altersvorsorge sind ebenfalls abzugsfähig, so etwa für eine Riester-Rente, Betriebsrente oder andere private Altersvorsorge. Als Altersvorsorge gelten auch Ausgaben für eine Immobilie, insbesondere für Darlehenszinsen und -tilgung. Abzugsfähig sind zudem Beiträge zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder Risikolebensversicherung.

Selbstständigen wird für Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Altersvorsorge ein Abzug von derzeit bis zu 23 Prozent vom steuerbereinigten Gewinn gewährt. Beim Elternunterhalt ist es 1 Prozent mehr.

Gewinnmindernd und insofern einkommensmindernd wirken bei ihnen zudem Abschreibungen auf Betriebsvermögen. Diese werden jedoch nur soweit berücksichtigt, soweit das Abschreibungsobjekt tatsächlich an Wert verliert.

Einkommen entscheidet über Unterhalt

Wie hoch das bereinigte Nettoeinkommen ausfällt, bestimmen viele Umstände. Es entscheidet über Bedürftigkeit wie über die Leistungsfähigkeit. Die Hilfe erfahrener Rechtsanwälte ist daher sowohl für Unterhaltsempfänger wie für Unterhaltsverpflichtete von besonderer Bedeutung.

Veröffentlicht am: 19.03.2018