Baumediation

Die Baumediation ist ein modernes Verfahren zur außergerichtlichen Streitbeilegung in allen Bauphasen. Im Vergleich zum herkömmlichen Gerichtsprozess ist die Baumediation die zu empfehlende Alternative.


Eine Umfrage des Deutschen Baugerichtstags hatte schon 2007 einen hohen Bedarf an außergerichtlicher Streitbeilegung im Bau- und Architektenrecht aufgezeigt. Das bestätigt die große Unzufriedenheit der Prozessparteien bei der Bewältigung von Bauprozessen durch staatliche Gerichte.


Fast 70 % der Auftragnehmer und 2/3 der Auftraggeber haben negative Erfahrungen mit Entscheidungen von Baustreitigkeiten durch Gerichte gemacht. Hauptkritikpunkte waren die lange Dauer und die hohen Kosten des Rechtsstreits sowie der erhebliche Aufwand bei der Prozessvorbereitung. Auch verschiedene Ingenieur- und Baukammern empfehlen deshalb, wann immer möglich, eine außergerichtliche Streitbeilegung durchzuführen.

Was sind die Besonderheiten der Baumediation?

Von der Planung bis zur Fertigstellung eines Bauvorhabens, kann viel Zeit ins Land gehen, wodurch oft Anpassungen an das Bauprojekt erforderlich werden (siehe „Stuttgart 21“). Außerdem ist es wegen der Vielzahl der miteinander verflochtenen Vorgänge, Entscheidungen und Größenanzahl der am Bau Beteiligten grundsätzlich nicht möglich, alle Konflikte zu vermeiden.


Jemand der bauen will, wird mit teilweise sehr komplizierten Baubewilligungs- und Planungsverfahren bis hin zur Abnahme des bewilligten Bauprojektes konfrontiert. So muss das Grundstück in einer Bauzone liegen und erschlossen sein oder der Bauherr muss eine Sondernutzung erwirken. Darüber hinaus sind öffentlich-rechtliche Vorgaben, Umweltschutz- und Naturschutz als auch privatrechtliche, nachbarschaftliche Aspekte (wie z. B. Dienstbarkeiten) zu beachten.

1. Wirtschaftlichkeit 

  • geringer Zeit- und Kostenaufwand

  • schnelle tragfähige Lösungen --> Wiedererlangung Ihrer Handlungsfähigkeit im Bauprozess

  • Entwicklung von wirtschaftlichen Lösungen, bei denen beide Seiten deutliche Vorteile haben

  • kein mehrinstanzliches Gerichtsverfahren und damit verbunden Schonung von Ressourcen und finanziellen Mitteln
     

2. Verbindlichkeit

  • Festschreiben der Ergebnisse in einer rechtsverbindlichen Abschlussvereinbarung

  • notarielle Beurkundung auf Wunsch der Beteiligten

  • Unterbrechung gerichtlicher Verfahren über die Dauer der Mediation

  • Hemmung der Verjährung von Ansprüchen bis zu 3 Monaten nach Ende der Mediation


3. 
Neutralität 

Mediatoren als allparteiliche Begleitung sind beiden Parteien verpflichtet: 

  • Höchstmaß an Vertraulichkeit (kein öffentliches Verfahren)
  • flexible, eigenverantwortliche Gestaltung des Verfahrens
  • fairer Interessensausgleich ohne Gesichtsverlust

 
4. Weiterführende Zusammenarbeit 

  • Konfliktpartner werden zu Kooperationspartnern
  • dauerhafte Stärkung der Kommunikation zwischen den Beteiligten
  • zukunftsorientierte nachhaltige Lösungen statt Festhalten am Konflikt
  • unbelastete Fortführung geschäftlicher und persönlicher Beziehungen

 

"Wir sind Ihr Partner für außergerichtliche Lösungen."

Wir sind für Sie da. Persönlich. Vor Ort.

Neben dem Baubewilligungsverfahren laufen noch zahlreiche andere rechtliche tatsächliche Vorgänge ab, die der Bauherr ebenfalls im Auge behalten sollte. Nach der Bewilligung braucht der Bauherr den Architekten für die Ausführungsplanung als Grundlage für die Bauausführung.

Hier kommen dann auch zahlreiche Bauunternehmen ins Spiel, welche im Rahmen von Werkverträgen den Bau erstellen.

In der Praxis zeigt sich, dass Bauprojekte sehr komplex sind. Die Realisierung erstreckt sich über mehrere Phasen und es gibt eine große Anzahl von Projektbeteiligten, die optimal zusammenwirken sollen. In der Praxis treten aber bei der Umsetzung regelmäßig Probleme auf, die teils in folgenschweren Konflikten münden.

So sind z. B. Bauverträge und Ausschreibungsunterlagen oft häufig lückenhaft und unklar formuliert. Termine und Fristen sind zu kurz bemessen. Bauherren vergeben die Bauleistungen immer wieder an den vermeintlich günstigsten Anbieter und werden in Folge mit zahlreichen teuren Nachträgen konfrontiert. Unklar vereinbarte Änderungswünsche kommen den Bauherrn oft teuer zu stehen.

Um Ärger am Bau zu vermeiden sollten die Bauverträge vor Unterschrift geprüft und vorsorglich vorrangig eine Mediation zur Konfliktlösung vereinbart werden. Gerade bei größeren Bauvorhaben empfiehlt es sich, ein projektbegleitendes Konfliktmanagement gleich im Bauvertrag zu regeln.

Eine Musterformulierung für die Mediationsordnung für Bausachen erhalten Sie von uns gerne auf Anfrage.

Darüber hinaus beraten wir Sie auch bezüglich der Erfüllung der Anforderungen an die zu prüfende Bau- und Leistungsbeschreibung sowie deren qualitäts- und termingerechten Abrechnungen bei der Bauabnahme.

Gerade bei Nachbarschaftskonflikten sind soziale Besonderheiten zu beachten. Während man einem Geschäftspartner nach einer strittigen Auseinandersetzung wechseln kann, funktioniert dies mit dem Nachbarn kaum, da dieser auch in der Zukunft Nachbar bleibt. Ein Dauerkrieg am Zaun würde die Lebensqualität und das Zusammenleben erheblich belasten.

Baubegleitende Mediation ermöglicht eine rasche Konfliktlösung noch während der Bauausführung, um Bauverzögerungen zu minimieren oder gar einen ruinösen Baustillstand zu vermeiden.
Bei Bedarf können auch andere Experten/Sachverständige, beratende Fachanwälte für Bau- und Architektenrecht sowie Schlichter und Schiedsrichter im Bauwesen hinzugezogen werden.

Zuständige Haftpflichtversicherer sind von Anfang an in das Mediationsverfahren einzubeziehen, da die Einleitung des Mediationsverfahrens und die verbindliche Einigung zur Beendigung des Konfliktes in aller Regel deren Zustimmung erfordert.

Bauherr gegen Bauunternehmer – „Der Keller ist feucht“


Der Konflikt

Ein Ehepaar möchte nach 20 Jahren mit Beginn des Ruhestandes in die alte Heimat nach Bayern zurückziehen. Ein ortsansässiger Bauunternehmer bietet ein kleines, altersgerechtes Einfamilienhaus an, das schlüsselfertig übergeben wird.

Bei der Abnahme des Hauses stellt der Bauherr fest, dass die Kellerwände feucht sind. 

Die Abnahme wird ihrerseits verweigert, die ausstehenden 50% der vereinbarten Restsumme aus dem Bauvertrag werden einbehalten.

Der Bauherr zieht nicht ein; der Bauunternehmer wartet auf sein Geld.

 

Die Konfliktparteien argumentieren:


Das Ehepaar als private Bauherrenschaft:

„Wir haben ein Unternehmen beauftragt, welches seit 25 Jahren auf dem Markt ist, uns ein schlüsselfertiges Eigenheim mit genauem Einzugsdatum zu bauen und zugesichert hat. 

Alle Abschlagszahlungen haben wir fristgerecht geleistet. Wir gingen davon aus, dass wir uns um nichts kümmern müssen. Jetzt sind wir schwer enttäuscht und fühlen uns hinters Licht geführt. Wir stehen ohne Wohnung und ohne Haus dar – wir wissen nicht, wie es weitergeht.“


Der Bauunternehmer:

„Ich habe der Bauherrenschaft viele Male gesagt, dass ihr Baugrundgutachten nicht ausreicht und dass keine Informationen zum Grund- und Schichtwasser vorliegen. Es wurde auf die günstige Lösung zur Kellerabdichtung bestanden. Mein guter Rat wurde nicht befolgt und es hagelte Vorwürfe: Ich wolle nur mehr Geld, ich sei ein Geldvernichter. Mein guter Ruf wurde in den Schmutz gezogen, andere Bauherren haben zwischenzeitlich Aufträge storniert, ich musste auch schon Mitarbeiter entlassen.“

 

Die Mediation


Die Interessen des Ehepaares:

„Die alte Wohnung ist gekündigt, alles ist für den Umzug vorbereitet, das Haus soll endlich fertig werden.“


Die Interessen des Bauunternehmers:

„Ich möchte mein ausstehendes Geld haben, um meine Mitarbeiter und Subunternehmer sowie die Bauhändler zu bezahlen.“

Im Wesentlichen geht es für den Bauherrn um Sicherheit, Existenzangst sowie evtl. gesundheitliche Schäden.

Für den Bauunternehmer geht es um die Anerkennung der erbrachten Leistungen, Existenzangst, Angst vor einem schlechten Ruf.


Das Ergebnis der Mediation

Die erarbeiteten Lösungsoptionen münden in folgenden Vereinbarungen:

  • Ein Einzug in das Haus ist unter den gegebenen Umständen nicht möglich.

  • Ein gemeinsam bestimmter Schadensgutachter wird zur Ursachenforschung hinzugezogen.

  • Die Versicherungen der Konfliktparteien werden informiert und in die Mediation einbezogen.

  • Die Trocknung der Innenräume wird vom Bauherrn finanziell übernommen.

  • Die nachträgliche Isolierung der Außenwände wird von der Baufirma übernommen.

  • Die Kosten übernimmt zum Teil die Versicherung des Baugrundgutachters, die Restkosten werden anteilig vom Bauherrn und der bauausführenden Firma bzw. von deren Versicherungen übernommen.

  • Die Bauherrenschaft kann bis zur Fertigstellung unentgeltlich in einer freien Wohnung der bauausführenden Firma wohnen.

  • Es werden keine rufschädigenden Informationen nach Außen gegeben.

 

Zeit und Kosten

Insgesamt fanden 8 Mediationstermine statt.

Die Gesamtkosten der Mediation inkl. der abschließenden Vereinbarung beliefen sich auf € 7.900,00.

Häufig auftretende Konfliktfälle

Konkrete Konfliktfälle in Bauangelegenheiten sind z. B.

  • Konflikte aus Bauverträgen:
    Typische Fallstricke im Bauträgervertrag sind nachteilige Finanzierungsregelungen, Beschränkungen der Mängelrechte u. a.

  • Unstimmigkeiten wegen der Vergütung und Honorare

  • wegen Mängeln und Haftungsfolgen, insbesondere Nachbesserungen und Schadensersatzforderungen

  • Zahlungsverweigerung des Auftraggebers und Auftragsverweigerung des Auftragnehmers

  • unklare Leistungsbestimmungen, Vertragsauslegungen und Behandlung von Änderungswünschen

  • Konflikte im Projektverlauf und bei Vertragsabschluss und Abnahme


Viele, auch im Bereich des Bauens mögliche Verhandlungslösungen scheitern daran, dass die Parteien unter sich allein nicht weiter kommen. Hier kann der, in der Streitschlichtung erfahrene Mediator mit einer Baumediation tätig werden und gemeinsam mit den Parteien eine akzeptierte, zukunftsgerichtete Lösung erarbeiten.

Baustreitigkeiten betreffen nicht nur mehrere Rechtsgebiete wie das öffentliche und private Recht, sondern haben oft auch einen technischen und sozialen Hintergrund. Unsere Sachverständigen verfügen über die notwendigen Kenntnisse bei baulichen Abläufen und bautechnischen Vorschriften.

Ergebnisprotokoll/Vereinbarung

Damit eine Einigung rasch und auch nachhaltig erreicht werden kann, wirken die Parteien persönlich im Mediationsverfahren mit. Die Einigung ist ausgewogen und fair. Die Ergebnisse werden schriftlich in einem Ergebnisprotokoll oder einer Vereinbarung festgehalten und sind für die Parteien verbindlich.

Unsere Experten



  • zertifizierte Mediatorinnen und Mediatoren
  • Bausachverständige für die Bauausführung und die Tragwerksplanung
  • Sachverständige für technische Gebäudeausstattung
  • Fachanwälte für Bau- und Architektenrecht sowie
  • Schlichter und Schiedsrichter in Bausachen

Kontakt und Anfragen

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